Zwischen Sommerferien und Herbstferien findet jedes Jahr unser Chorausflug statt. Weil er immer von anderen Chormitgliedern vorbereitet wird, ist es auch immer wieder spannend, was uns erwartet.
Diesmal haben sich Wiltrud, Hannelore und Irene ins Zeug gelegt. Und weil Irene in Menzelen wohnt, haben wir uns zunächst im schönen Garten bei Kaffee und Kuchen getroffen.

Ein Quiz mit vielen Informationen sollte es geben. Auf dem Weg über die Straße ‘Op de Schanz’ zeigte uns Irene, wo der frühere Bahnhof Birten gelegen war. Früher fuhr hier die Boxteler Bahn. Sie war ein Teilstück der Fernverbindung zwischen London, Berlin und St. Petersburg. Die Schnellzüge wurden wegen ihrer Farbgebung „Blauer Brabanter“
genannt. Sie fuhren 6x am Tag hier durch. Die Boxteler Bahn schrieb Erfolgsgeschichte. Der Schnellzug wurde sogar vom deutschen Kaiser, dem russischen Zaren und dem britischen König genutzt. Na, da war doch Menzelen der Mittelpunkt Europas, oder nicht?

Ein Stücken weiter zeigte sie uns den „Neuen Fritz“. Früher war das die Bahnhofskneipe „Alter Fritz“.
Gespannt lauschten wir Irenes Ausführungen …. eine interessante Vergangenheit hat dieses Haus, das jetzt ein schönes Wohnhaus ist.
Nach Schließung der Bahnhofskneipe wurde das Lokal weitergenutzt und geriet in
Verruf, weil dort ein Freudenhaus entstand und wurde dann auch so etwas wie ein heimlicher Hotspot für die neugierigen Bewohner der Umgebung. …. Und das in Menzelen….

Am Haus Winnenthal, auch Schloss oder Burg Winnenthal genannt hatte Wiltrud viel zu berichten. Winnenthal ist eine der ältesten erhaltenen Wasserschloss-Anlagen am Niederrhein. Der Name der Burg leitet sich ab von „Winnedhal“ bzw. „Wonnedhal“. Die Lage Winnenthals war strategisch wichtig: Es lag an der Landwehr zwischen Kurköln (Erzbistum Köln) und dem Herzogtum Kleve. Winnenthal wurde im 14. Jh. unter Herzog Adolph I. von Jülich erbaut.(1.urkundl.Erwähnung 1377).
Schon vor dem Bau der Burg soll es dort um das Jahr 1000 einen Rittersitz gegeben haben. Ungefähr um 1600 wurde die Hauptburg umgestaltet zu einem Schloss im Barock-Stil. Dabei erhielt der nördliche Eckturm des „Casa nostri Winnendeil“ eine geschweifte Zwiebelhaube. Nach mehreren Besitzerwechseln, Abbrüchen und Aufbauten wurde die Burg immer mehr zu einem Wirtschaftshof gestaltet.
1844 kaufte die Familie Johann Anton Schmitz auf der Hübsch das Gut. Er betrieb dort
hauptsächlich Landwirtschaft. Er nannte sich – mit Duldung des Veener Amtes – Schmitz-Winnenthal. Auf der Burg wurde zeitweise Korn gebrannt, der sog. „Winnenthaler Korn“. In der Schnapsbrennerei arbeiteten Leute aus der Umgebung, auch der Opa unseres Chormitglieds Miriam arbeitete dort.
Seit 1966 ist ein Industrieller Besitzer der Burg Winnenthal. Dieser stammt aus
Geldern. Es ist der erfolgreiche Geschäftsmann und Firmengründer von „Bo-frost“, Josef Boquoi.

Zurück ging es dann zum Reekwall. Dieser Weg hier ist ein Teilstück des Jakobsweges. Im Mittelalter entwickelte sich Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem zu einer der wichtigsten Pilgerstädte. Der Abschnitt von Nijmegen über Kleve, Kalkar, Marienbaum, Xanten und Birten verläuft an der Burg Winnenthal vorbei. Über Jägerruh, Eppinghoven, Menzelen-Ost, Orsoy, Moers, Krefeld, Neuss und Dormagen geht der 228 km lange Abschnitt bis Köln. Alle Abschnitte des Jakobsweges werden mit einer Jakobsmuschel gekennzeichnet. Diese Pilgermuschel dient als Wegweiser.

Zum Schluss gab es noch eine interessante Information zum Haus neben dem Spargelhof Hußmann. Dieses Haus ist der Namensgeber der Jägerruh. Wenn auf dem Gut Winnenthal zur Jagd geladen wurde, wollte man wohl die Jagdgäste über Nacht im Haus haben. (Wer die Saufgesellschaften bei Jagden noch in den 1960er-Jahren erlebt hat, weiß warum.) Nach dem Essen und Gelage wurden hier die Jäger zur Ruhe gebettet. Im Haus gab es18 schmale Schlafkammern. Die Jäger brauchten damals nicht mehr als ein Bett und einen Stuhl zum Ablegen ihrer Kleidung.
In der Generation von Irenes Großeltern arbeitete eine Nachbarin als als Zimmermädchen in dem Haus. Sie erzählte, dass die Betten oft so aussahen, als hätten die Jäger mit ihren Stiefeln darin geschlafen.
Zum Tagesausklang saßen wir noch eine ganze Weile in Irenes Garten, genossen die Eindrücke und das Grillbuffet.

Ein großes Dankeschön geht an Irene, Wiltrud und Hannelore und Paul für die tatkräftige Unterstützung im Garten von Paul und Irene.


